7.jpg8.jpg5.jpg11.jpg13.jpg4.jpg10.jpg9.jpg14.jpg2.jpg1.jpg15.jpg3.jpg12.jpg6.jpg

Fundstücke & Informationen aus dem Kreisarchiv

MÄRZ 2015 - Die erste Mühlhäuser Kreisarchivarin

Zum 100. Geburtstag von Käthe Franke

Käthe Franke war die erste Kreisarchivarin des Kreises Mühlhausen von 1954 bis 1978.

Käthe Franke 1951Sie wurde am 5. März 1915 als viertes Kind der Eheleute Reinhold Donath und Christiane Donath, geborene Fischer, in Nordhausen geboren. Ihr Vater betrieb eine Spedition. Von 1921 bis 1924 besuchte sie die Volksschule und danach bis 1931 das Oberlyzeum in Nordhausen. Ihr Berufswunsch war Kunstgewerblerin. Sie absolvierte daraufhin von 1931 bis 1934 eine Schneiderlehre, machte ihre Gesellenprüfung und wollte dann eine Kunstgewerbeschule besuchen. Aber die finanziellen Verhältnisse der Eltern ließen es nicht zu. Sie musste sich neu orientieren und begann noch im gleichen Jahr eine kaufmännische Ausbildung in Nordhausen, die sie 1936 mit sehr guten Prüfungsergebnissen abschloss. Daraufhin bekam sie sofort eine Anstellung als kaufmännische Angestellte in der Firma Oscar Uhley in Nordhausen. Es folgten verschiedene Anstellungen im kaufmännische Bereich. Während dieser Zeit widmende sich sich auch der sprachlichen Weiterbildung in Englisch und Französisch. Beide Sprachen beherrschte sie in Wort und Schrift.

Im Oktober 1939 heiratete sie den gelernten Bäcker Erwin Franke, der 1944 während des Krieges in Frankreich fiel. Er war bei der Luftwaffe Fluglehrer in Strassburg / Elsass. Die Kriegs- und Nachkriegswirren verschlugen die junge Mutter mit ihrem 1942 geborenen Sohn Michael nach Mühlhausen. An eine geregelte Arbeit war in den Nachkriegsjahren zunächst nicht zu denken. Doch Käthe Franke fand schließlich zum 1. Februar 1951 eine Anstellung beim Kreisrat in Mühlhausen, wo sie in der Abteilung Volksbildung unter anderem als Sachbearbeiterin für Kunst / Literatur sowie Buch- und Bibliothekswesen arbeitete. Nach einem Intermezzo von 1953 bis 1954 im Staatlichen Forstbetrieb Mühlhausen übernahm sie im August 1954 die Stelle als Sachbearbeiterin für Archivwesen beim Rat des Kreises Mühlhausen. Diese Stelle, so schien es, war ihr wie auf den Leib geschneidert.

Käthe Franke in ihrem Büro in den 1960er JahrenDas besondere Flair, welches von einem Archiv ausgeht, so sagte sie, habe sie gereizt, in diese ihr unbekannte Materie einzudringen und sie zu erforschen.
Neben der Führung des Behördenarchivs der Kreisverwaltung Mühlhausen widmete sie sich dem Aufbau des neu geschaffenen Kreisarchivs Mühlhausen. So begann sie in mühevoller Kleinarbeit die Akten der Gemeindeverwaltungen des Kreises, die manchmal unter katastrophalen räumlichen Bedingungen ihr Dasein fristeten, vor Ort zu erfassen und zu bewerten, um sie schließlich im Kreisarchiv zu archivieren. Hier schloss sie Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten an, die mit einer Findkartei für jeden Bestand endeten.

Das theoretische Rüstzeug für diese Arbeiten bekam Käthe Franke zunächst vom Thüringischen Landeshauptarchiv Weimar, dessen Weiterbildungsangebote sie dankbar annahm. Jedoch reichte ihr dieser Wissensstand nicht. Sie wollte eine gute Archivarin werden, denn die Materie Archiv war ihr inzwischen ans Herz gewachsen. Sie widmete sich deshalb von 1956 bis 1959 dem Fernstudium an der Fachschule für Archivwesen in Potsdam, zu dem sie vom Rat des Kreises Mühlhausen delegiert worden war. Das dreijährige Studium schloss sie als Staatlich geprüfter Archivar mit einem Findbuch über die Bestände der Oberförstereien im Bereich des Regierungsbezirkes Erfurt erfolgreich ab.

Die neuerworbenen theoretischen Kenntnisse setzte sie voller Elan in die Tat um. Die Kreis- und Gemeindeunterlagen ordnete und verzeichnete sie nun nach archivwissenschaftlichen Gesichtspunkten und unterstützte beratend die Verwaltungen des Kreises und der Gemeinden in Fragen des Umgangs mit Schrift- und Archivgut.

Käthe Franke wurde mehrfach bescheinigt, dass sie das Kreisarchiv Mühlhausen, welches sie bis zu ihrem Ruhestand als Ein-Mann(Frau)-Archiv führte, zu einem der besten im damaligen Bezirk Erfurt aufgebaut hatte. Ihre praktischen Erfahrungen brachte sie ein als berufenes Mitglied in der Kommission Ordnung und Verzeichnung bei der damaligen Staatlichen Archivverwaltung. Sie wirkte unter anderem mit an der Erarbeitung von Richtlinien für die Ordnungs- und Verzeichnungsarbeiten in den Kreis- und Stadtarchiven – vor allem für die Bestände nach 1945.

Da ihr aber nicht nur daran gelegen war, „ihr" Kreisarchiv mustergültig aufzubauen, gab sie ihr umfangreiches Wissen und ihre fachlichen Kenntnisse gern an andere Berufskollegen weiter. Käthe Franke unterstützte die Großbetriebe bei der Qualifizierung und Anleitung der Betriebsarchivare. Sie gründete und leitete die Arbeitsgemeinschaft der Betriebs- und Verwaltungsarchivare im Kreis Mühlhausen und förderte somit den beruflichen Erfahrungsaustausch. Als Mitglied des Beirates zur Erforschung der Arbeiterbewegung im Kreis Mühlhausen initiierte Käthe Franke unter anderem die Erstellung eines Spezialinventars zur Erforschung der örtlichen Arbeiterbewegung und widmete sich unermüdlich der Erforschung der Kreis- und Heimatgeschichte.

Käthe Franke 1974Aus Mangel an Zeit hat sie jedoch nie selber publiziert. Sie richtete eine Archivbibliothek ein, deren Buchbestand zur Heimat- und Regionalgeschichte, die sie überwiegend aus Haushaltsauflösungen zusammentrug, erweiterte ständig die Foto-, Plakat- und Zeitungsausschnittsammlung des Kreisarchivs und gestaltete gemeinsam mit den Betriebsarchivaren Ausstellungen zu verschiedenen Anlässen. Allen Nutzern des Kreisarchivs stand sie unterstützend zu Seite, wobei ihr Engagement oft über den Feierabend hinaus ging.

Käthe Franke gehörte damals zu den wenigen Kreisarchivaren, die berechtigt waren, Archivassistenten auszubilden und Praktika für Studenten der Fachschule für Archivwesen durchzuführen. Der Nachwuchs an ausgebildeten Fachpersonal lag ihr besonders am Herzen. Wissend um die Bedeutung einer qualifizierten Archivarbeit, wurde sie nie müde, ihre Kenntnisse und ihren reichen Erfahrungsschatz jungen Menschen zu vermitteln, um sie so auf den Berufsalltag vorzubereiten. Auch ihr Lebenswerk wollte sie in guten Händen wissen. Deshalb schied sie erst mit fast 63 Jahren aus dem Berufsalltag aus, nachdem sie eine Absolventin der Archivfachschule eingearbeitet hatte.

Einige Jahre später zog Käthe Franke zu ihrem Sohn nach Erfurt, wo sie am 27. September 1994 verstarb.

Regina Hornischer

Foto aus Privatbesitz
Vgl. Lebensbilder Thüringer Archivare, Hg. Vorstand des Thüringer Archivarverbandes 2001.

Joomla templates by a4joomla